Ein tragischer Vorfall erschüttert Österreich
Am 27. Dezember 2025 wurde Bordercollie Cooper in Pettenbach, Oberösterreich, auf tragische Weise von einem 84-jährigen Jäger erschossen. Der Hund trug ein neonfarbenes Brustgeschirr und befand sich nur wenige Meter von seinem Halter entfernt auf einem Forstweg. Der Schütze behauptete, Cooper mit einem Fuchs verwechselt zu haben. Dieser Vorfall hat eine Debatte über die Sicherheit von Haustieren und die Verantwortung von Jägern in Österreich entfacht.
Seit wann tragen Füchse Warnwesten?
Michaela Lehner, Leiterin der Stabstelle Recht von Tierschutz Austria, stellt die berechtigte Frage: „Seit wann tragen Füchse Warnwesten?“ Sie betont, dass der Tod von Cooper kein Einzelfall ist, sondern ein Symptom eines tiefgreifenden systemischen Versagens. Wenn ein gut gekennzeichneter Familienhund bei Tageslicht in unmittelbarer Nähe seines Halters mit einem Fuchs verwechselt wird, stellt sich die Frage, ob auch Menschen um ihr Leben fürchten müssen.
Rechtsgutachten belegt Verfassungswidrigkeit
Ein aktuelles Rechtsgutachten von Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner aus dem Jahr 2025 belegt, dass der Abschuss von Haustieren verfassungswidrig ist. Er greift unverhältnismäßig in das Grundrecht auf Eigentum ein und basiert auf jahrhundertealten Normen, die mit dem heutigen Mensch-Tier-Verhältnis nicht mehr vereinbar sind. Wagner argumentiert, dass die derzeitigen Abschussregelungen aus einer Zeit stammen, in der herrenlose Hunde als Bedrohung galten. Heute sind Haustiere jedoch fester Bestandteil von Familien und ihre Tötung stellt einen Eingriff in das Eigentumsrecht, in familiäre Bindungen und in den Tierschutz dar.
Haustierabschuss auf 98 % der Landesfläche legal
In Österreich ist der Haustierabschuss in allen Jagdgebieten erlaubt – also auf rund 98 % der Staatsfläche. Dabei gelten unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern: In Niederösterreich ist der Abschuss unter bestimmten Bedingungen sogar verpflichtend, während in Oberösterreich und Tirol Haustiere auch nach Fang in Lebendfallen erschossen werden dürfen. In der Steiermark hängt der Abschuss vom Kalender ab: Im Frühling und Sommer reicht „Wild jagend“ im Freilauf, von 15. September bis 15. März braucht es eine „konkrete Gefährdung“.
Jagdgesetze bevorzugen jagdbare Tiere
Die verschiedenen Jagdgesetze der einzelnen Bundesländer erlauben Jägern die Tötung von Hunden, die außerhalb des Einwirkungsbereiches ihres Halters oder wildernd angetroffen werden. Bei Cooper traf keine der beiden Varianten zu. Michaela Lehner von Tierschutz Austria erklärt, dass diese Abschusslegitimation von Hunden und Katzen mit dem Schutz von jagdbaren Wildtieren, dem sogenannten „Jagdschutz“, begründet wird. Jagdbare Wildtiere sollen den Jägern zum Abschuss vorbehalten bleiben.
Fehlende Entschädigung für Tierhalter
Ein weiteres Problem ist die fehlende finanzielle Entschädigung für Tierhalter, die ihre Haustiere durch solche Vorfälle verlieren. „Geld ersetzt kein Familienmitglied. Der Schmerz der Familien über den Verlust und unnötigen Tod ihrer geliebten Haustiere ist unerträglich“, so Lehner.
Waffengesetz-Novelle schafft Ungleichheit
Die 2025 beschlossene Waffengesetz-Novelle greift laut Tierschutz Austria zu kurz. Obwohl die Novelle als Reaktion auf den schrecklichen Terroranschlag in Graz präsentiert wurde, um die Bevölkerung zu schützen, bleiben Jäger bevorzugt. Während andere Waffenbesitzer psychologische Gutachten benötigen, gilt das für Inhaber von Jagdkarten nicht. Dies macht die Jagd zu einem gefährlichen Schlupfloch, kritisiert Lehner.
Tierschutz Austria fordert umfassende Reformen
Tierschutz Austria fordert von der Bundesregierung und den Ländern eine umfassende Reform der Jagdgesetze. Die Forderungen umfassen:
- Ein österreichweites, explizites Verbot des Haustierabschusses
- Psychologische Eignungstests auch für Jäger
- Sofortiger Jagdkartenentzug bei Tierschutzverstößen
„Jeder erschossene Hund, jede getötete Katze ist ein Opfer von politischen Versäumnissen. Der Fall Cooper zeigt: Es braucht endlich ein generelles Verbot des Haustierabschusses“, so Lehner abschließend.
Historische Hintergründe und der Weg nach vorn
Die Jagd hat in Österreich eine lange Tradition, die bis ins Mittelalter zurückreicht. Ursprünglich wurden Jagdregeln aufgestellt, um die Nahrungsversorgung und den Schutz der Wälder sicherzustellen. Mit der Zeit entwickelten sich diese Regeln weiter, um auch den Schutz von Wildtieren und deren Lebensraum zu gewährleisten. Doch die gesellschaftliche Wahrnehmung von Tieren hat sich verändert. Haustiere sind heute oft gleichwertige Familienmitglieder und nicht mehr nur Nutztiere. Diese Veränderung erfordert eine Anpassung der Gesetze an die moderne Realität.
Experten wie Univ.-Prof.in Dr.in Erika Wagner argumentieren, dass die Gesetzgebung in Bezug auf den Haustierabschuss dringend modernisiert werden muss. Die derzeitige Praxis, die auf veralteten Normen basiert, widerspricht nicht nur dem Tierschutzgedanken, sondern auch dem Eigentumsrecht der Halter. Die Einführung eines Verbots des Haustierabschusses wäre ein wichtiger Schritt in Richtung eines zeitgemäßen Tierschutzes.
Konkrete Auswirkungen auf Bürger
Für die Bürger bedeutet die aktuelle Gesetzeslage eine erhebliche Unsicherheit. Haustierbesitzer müssen ständig befürchten, dass ihre Tiere beim Spaziergang in der Natur Opfer eines Abschusses werden könnten. Dies beeinträchtigt nicht nur die Lebensqualität der Menschen, die in ländlichen Gebieten leben, sondern führt auch zu einem erhöhten Misstrauen gegenüber der Jägerschaft.
Vergleich mit anderen Ländern
Ein Blick über die österreichischen Grenzen hinaus zeigt, dass andere Länder bereits Schritte unternommen haben, um den Schutz von Haustieren zu verbessern. In Deutschland beispielsweise gibt es in mehreren Bundesländern strenge Regelungen, die den Abschuss von Hunden und Katzen verbieten, es sei denn, es liegt eine unmittelbare Gefahr für Menschen oder Wildtiere vor. Diese Regelungen bieten eine mögliche Vorlage für eine Gesetzesreform in Österreich.
Zukunftsausblick
Die öffentliche Debatte um den Fall Cooper könnte der Anstoß sein, den es braucht, um eine umfassende Reform der Jagdgesetze in Österreich zu initiieren. Die Forderungen von Tierschutz Austria stoßen auf breite Unterstützung in der Bevölkerung, und es ist wahrscheinlich, dass der Druck auf die Politik weiter zunehmen wird. Sollten die Reformen umgesetzt werden, könnte dies zu einer deutlichen Verbesserung der Sicherheit für Haustiere führen und das Vertrauen zwischen Jägern und der restlichen Bevölkerung stärken.
In den kommenden Monaten wird es entscheidend sein, wie die österreichische Regierung auf die Forderungen reagiert. Ein erstes Signal könnte eine Überprüfung der bestehenden Jagdgesetze und eine mögliche Anpassung der Waffengesetzgebung sein, um sicherzustellen, dass alle Waffenbesitzer, einschließlich Jäger, die gleichen psychologischen Eignungstests durchlaufen müssen.
Der Fall Cooper hat gezeigt, dass es höchste Zeit ist, die Jagdgesetze in Österreich zu überdenken und an die modernen Anforderungen des Tierschutzes anzupassen. Der Schutz von Haustieren muss oberste Priorität haben, um weitere tragische Vorfälle zu verhindern und das Vertrauen der Bürger in die Gesetzgebung und den Tierschutz zu stärken.